Der jüdische Friedhof am Taternweg

von Wolfgang Kampa

Bis 1827 nutzten die Einbecker Juden den Friedhof zwischen dem Reinser Turm und den Lathwiesen, dem so genannten Judenkirchhofsfeld. Aufgrund häufiger Hochwasser wurde am damaligen Stadtrand östlich des Hubeweges im Jahr 1827 ein neuer Friedhof angelegt, der bis 1910 Bestand hatte. Danach wurden die jüdischen gemeinsam mit den christlichen Bürgern auf dem neu errichteten Zentralfriedhof bestattet.

Seit wann der alte jüdische Friedhof, an den ein Gedenkstein an der Umgehungsstraße erinnert, genutzt wurde, ist nicht klar. Das älteste Dokument über die Einbecker Juden stammt aus dem Jahre 1298, als während einer Judenverfolgung in Einbeck 16 Juden offenbar verbrannt wurden. Um 1580 fand in Einbeck eine weitere Judenverfolgung statt, bei der auch der damalige Friedhof nicht verschont wurde. Grabsteine wurden herausgerissen und zum Teil als Baumaterial verwendet. Nach dem Brand von 1826 fand der Bankier Moritz Falk einen solchen Leichenstein im Schutt.

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Der Stein trägt das Datum 11. Tebeth 5160 (10. Dezember 1399). Der Anfang der Inschrift ist nicht mehr vorhanden. Darunter findet sich eine neuere Inschrift: »vom 14. Jjar 586« nach der kleinen Zahl, also vom 21. Mai 1826. Das war der Tag des großen Brandes, an dem der Stein wieder zum Vorschein kam. Der Stein wurde »hinter der Synagoge (Baustraße) angebracht«.

1827 erwarb die jüdische Gemeinde »vor dem Osterthore an der sogenannten Taterngasse, nahe dem christlichen Kirchhofe« ein großes Grundstück, um dort einen neuen Friedhof einzurichten. Der alte Friedhof lag weitab der Stadt und hatte unter den regelmäßigen Hochwassern und Übergriffen »bösgesinnter Menschen« zu leiden. Zudem war der Platz zu klein geworden, obwohl jüdische Gräber aus Platzmangel übereinander angelegt wurden.

Die jüdische Gemeinde in Einbeck war zu dieser Zeit auf ungefähr 70 bis 80 Personen angewachsen, so dass der neue Friedhof mehr als doppelt so groß wie der alte angelegt wurde.

Die Bestattungszeremonie vollzieht sich im jüdischen Glauben in mehreren Phasen. Nach dem Tod darf die Leiche 15 Minuten lang nicht berührt werden. Danach wird geprüft, ob die Person tatsächlich gestorben ist. Freunde und Verwandte zerreißen sich an einer bestimmten Stelle die Kleidung, um ihren Herzschmerz zu symbolisieren. Nach der rituellen Waschung, der »Tahara« wird der Leiche ein weißes Totengewand angelegt. Ist der Sarg einmal verschlossen, darf er nicht wieder geöffnet werden. Auf dem Weg zum Grab wird der Sarg sieben mal abgesetzt, um zu symbolisieren, wie schwer der letzte Gang den Angehörigen fällt.

Ursprünglich waren die jüdischen Grabsteine einheitlich gestaltet und ausschließlich hebräisch beschrieben. Auf dem Friedhof am Taternweg, der heutigen Rabbethgestraße, finden sich aber zweisprachige Grabsteine in den verschiedensten Formen. Dies ist als Zeichen dafür zu sehen, dass die Einbecker Juden sich an den Gepflogenheiten ihrer christlichen Mitbürger orientierten.

Im Jahre 1900 kaufte die Stadt Einbeck einen unbelegten Teil des Friedhofes, um den Taternweg als Straße auszubauen. Zu dieser Zeit wurde der Zentralfriedhof im Osten der Stadt angelegt. Seit 1911 wurden dort auch die jüdischen Mitbürger bestattet.

1939 wurde der Friedhof am Taternweg der von den Nationalsozialisten gleichgeschalteten »Reichsvereinigung der Juden« angegliedert. Während des Dritten Reiches wanderten einige Einbecker Juden aus, drei jüdische Mitbürger begingen Selbstmord, viele andere wurden deportiert und kamen in Konzentrationslagern um. 1944 wurde der Friedhof an die Stadt Einbeck verkauft. Die Grabsteine erwarb ein hiesiges Granitwerk.

Nach dem zweiten Weltkrieg war der Friedhof »völlig zerstört.« Die Militärbehörden ordneten die Sanierung des Friedhofes an. Ein großer Teil der Grabsteine konnte aus dem Granitwerk zurück geholt werden und wurde wieder an ihren alten Platz gestellt. Im Jahre 1952 war der Friedhof wieder annähernd in seinen ursprünglichen Zustand versetzt worden. Zwei Jahre später übernahm die Stadt Einbeck die Unterhaltung des Friedhofes. Der heutige Besitzer ist der Landesverband der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen. Von ursprünglich 266 jüdischen Friedhöfen existieren heute noch 195 in Niedersachsen..