|
Die Vogelsburg bei Vogelbeck
In der Mitte des ersten Jahrtausends lebten in unserer Gegend die Sachsen, von denen wir abstammen. Das heutige Bundesland Sachsen gehörte damals nur in Randbereichen zum alten Sachsen – Hauptgebiet war das heutige Niedersachsen. Zu dieser Zeit gab es im Leinegebiet zwischen Vogelbeck und Kreiensen drei Wall- oder Fluchtburgen: Die Vogelsburg, die Negenborner Burg und die Hüburg bei Kreiensen. Die Vogelsburg liegt einige Kilometer südwestlich von Einbeck auf einer 262 Meter hohen Bundsandsteinkuppe beim Ort Vogelbeck.
Damals lebten die meisten Menschen noch auf verstreuten Höfen oder in kleinen Siedlungen und waren den regelmäßig einfallenden ungarischen Reiterhorden schutzlos ausgeliefert, die sengend und mordend bis nach Thüringen und Sachsen zogen. So ist es durchaus möglich, dass auch die Einbecker Gegend von ungarischen Reitern heimgesucht wurde und die Menschen sich dann in die Vogelsburg zurückzogen. Der Hauptwall der Vogelsburg ist vier bis fünf Meter hoch, hat eine Gesamtlänge von 670 Metern und umschließt 4,54 Hektar, das Innenplateau hat eine Fläche von 8,86 Hektar die innere Wall hat eine Länge von 310 Metern. Die Außenfronten beide Wälle bestanden früher aus behauenen Sandsteinblöcken bis 1,4 Meter Stärke. Nordöstlich der Burg liegt ein 70 Meter langer Abschnittswall und riegelte den Zugang vom flachen Sattel zur Bergkuppe ab. Die Befestigungsanlage besteht aus zwei umlaufenden Wällen, die erstmalig im Jahre 1936 archäologisch untersucht wurden. Man fand Reste einer 50 Zentimeter hohen Trockenmauer und große Mengen von Holzkohle, die darauf schließen lassen, dass auf der Mauer ein Palisadenzaun gestanden hat. Hinter der Mauer verlief eine zweite Pfostenreihe, die wahrscheinlich mit den Pfosten der ersten Reihe verbunden waren. Die Wallburg hat zwei Eingänge im Norden und einen im Süden, die heute noch vorhanden sind. Wahrscheinlich wurde die Vogelsburg in zwei Bauphasen errichtet. Um das Alter der Vogelsburg zu ermitteln, wurde ein Teil der aufgefundenen Holzkohleresten dendrochronologisch untersucht. Dabei kam man zudem Ergebnis, dass die Anlage zumindest in der Zeit von 670 bis 850 nach Christus noch bewohnt war. In dieser Zeitspanne wurde das damals noch heidnische Sachsen, dass sich am längsten gegen die Eroberungsversuche der Franken gewehrt hatte, von Karl dem Großen unterworfen. Der Sachsenherzog Wittekind (oder Widukind) gab seinen jahrelangen Widerstand auf und ließ sich taufen. Ob die Wallburg nur als Fluchtstätte bei Gefahr, oder sogar als Rückzugspunkt für die sächsischen Krieger unter Herzog Widukind genutzt wurde, bleibt natürlich Spekulation. Wolfgang Kampa
|
|